Freitag, 28. September 2007
Medizinerparty, Resume der ersten Woche
Ich war gestern abend auf einer Medizinerparty. Sowas habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Für 12 Euro im VVK gabs Flatrate trinken. Die Halle war riesig, eine Fläche mit etlichen Leuten, bisschen Bühne und DJ Zeugs war auch aufgebaut. Da wir uns vorher noch im Unikino den Film Matchball angesehen haben waren wir erst gegen 11 dort. Besoffene Franzosen haben in der Siffe auf dem Hallenboden gelegen, etliche Leute haben sich in der Halle halb ausgezogen und herumgefummelt. Es soll auch Leute gegeben haben, die komplett nackt waren, das habe ich aber nicht mehr mitbekommen. Der Gang zur Toilette entpuppte sich als langwieriges Unterfangen, was bei solchen Großveranstaltungen ja meistens so ist. Einige wurden von ihrer Kinderstube nicht davon abgehalten, ihr natürliches Problem direkt in der Halle zu erledigen. Der Abend war aber insgesamt ganz nett und eine Erfahrung wert. Bentje, Mike, Felix und Martin waren dabei. Habe heute Clement, einen Franzosenkollegen aus dem vierten Jahr davon erzählt, der lustigerweise eine deutsche Freundin aus Lollar hat und er meinte, dass die Medizinerparties hier berüchtigt seien.
In der Uni mache ich schon einige Fortschritte, zumindest subjektiver Natur bzgl. der Sprache. Gab schon Vorlesungen wie z.B. vibrations wo ich nahezu alles verstanden habe. Habe sonst noch fortgeschrittene Festkörpermechanik, Wärmeübertragung, Produktion, und „Optimierung und Stabilisierung“ erlebt. Die Professoren sind größtenteils sehr verständlich und nett. Nur in der Optimierung muss ich mich etwas reinhängen konzentrieren und wahrscheinlich auch bisschen mehr nacharbeiten. Der Kurs würde super zu meinem Dynamikhauptfach passen. Vielleicht bekomme ich da doch was auf die Reihe. Ich bin zuversichtlich. In den Übungen ist allgemein mehr Beteiligung als in Deutschland angesagt. Man wird hin und wieder aufgerufen, die Sachen sind bisher zumindest aber nicht furchtbar schwer.
Ein kleiner Ausflug in die Innenstadt heute hat mir zwar kein Fachwörterbuch verschafft, aber dafür wieder ein bisschen Orientierung wo ich welche Geschäfte finden kann.
Am Wochenende werde ich wohl ein bisschen die Vorlesungen nacharbeiten und vll. Sonntag eine MTB Tour in der Region hier unternehmen.
Bis die tage, machts gut, h0ffe es gibt bald noch ein paar Fotos von der Party, dazu muss ich Martin erwischen, der gerade auf Integrationswochenende mitgefahren ist.
Dienstag, 25. September 2007
Erster Unitag
Ich habe den ersten Unitag hinter mir und habe schon mal einen ordentlichen Dämpfer bekommen. Scheinbar kommt einiges an Arbeit auf mich zu. Auch wenn ich die Dozenten von der Ausdrucksweise her besser als gedacht verstehe, brauche ich dringend ein Fachwörterbuch. Hätte man sich eigentlich denken können, habs bisher nur verpennt mir eines zu kaufen. Außerdem ist es für Quereinsteiger teilweise etwas komplizierter, weil sie die Vorkenntnisse nur in anderem Hinblick besitzen. Ich habe heute in der Vortragsübung zu Stabilität und Optimierung wirklich dagesessen wie der Ochs vorm Berg. Eine Doppeldiplomantin aus Spanien hat mich dann aber recht schnell getröstet, hat gemeint, bei ihr war der Einstieg auch sehr schwer. Ich werde mir wahrscheinlich mal die französischen Skripte besorgen und versuchen ein bisschen was aufzuholen bzw. wieder zu vergegenwärtigen. Ich will die Vorlesung nicht gleich beim ersten Misserfolg abbrechen, weil sie doch ein bisschen zu meinem Hauptfach passen würde. Davon abgesehen hat man ja auch bei deutschen Vorlesungen hin und wieder Verständnisprobleme. Mal schauen wie sich alles weiterentwickelt. Man muss aber auf alle Fälle dazusagen dass die französischen Kommilitonen bisher alles sehr hilfsbereit waren und die Dozenten auch Verständnis für Ausländer mit Sprachproblemen mitbrachten. Ich bin da noch relativ gut dran: Habe mich mit einem Bulgaren unterhalten, der schon Probleme hatte mit meinem Französisch zurecht zu kommen. Nicht beneidenswert der arme Tropf. Wurde vom Lehrer kurz aufgerufen und hat dann gerade mal sagen können, dass er Austauschstudent ist.
Der Stil der Lehre entspricht nicht ganz und gar dem deutschen, aber es erweitert ja auch den Horizont mal ein neues Lehrkonzept mitzubekommen. Ich habe heute aber auch erst 2 Veranstaltungen erlebt, morgen werde ich mehr sagen können. Morgen geht auch der Unisport für mich los, der für die Franzosen und hier fest studierenden verpflichtend ist. Ich bin mal gespannt was angeboten wird, finde die Sache aber prinzipiell sehr gut.
Haltet die Ohren steif und drückt mir die Daumen, bis die Tage
Sonntag, 23. September 2007
Pont du Gard
Man hat sich hier schon sehr wohl gefühlt. Die Parzellen waren in den Wald gelegt und es wurde nicht der Wald für die Parzellen gepflanzt, allerdings waren sie teilweise sehr schwer zu finden. Kurze Geschichte dazu: Als wir abends vor den Zelten saßen fuhr zunächst ein Auto vor und wir wurden angefunselt. Wir haben dann mit der 6 mono Zellen Maglite etwas zurückgefunselt, da meinten die Leute: „Ah, wir haben Nachbarn“ und sie sind geradewegs auf mein Zelt zugelaufen. Wir haben die Sache noch nicht ganz gecheckt, bis sie dann erkannt haben, dass sie die Zelte verwechselt haben und in Wirklichkeit auf der Nachbarparzelle ansässig waren. Es wäre aber schon sehr dreist gewesen, wenn wir Birger und Zäzilias Zelt bei einem zu 25% besetzten Campingplatz so nah an ein fremdes Zelt drangeklatscht hätten, um dann davor seelenruhig Bier zu trinken. Wir hatten aber abends auch unsere Schwierigkeiten, unsere Parzelle abends als wir aus der Stadt zurückgekehrt sind wiederzufinden. So, jetzt wieder der Reihe nach: Abends sind wir vom Campingplatz aus ca. 5 Minuten Flussaufwärts gelaufen und konnten von der Ferne schon den Pont du Gard erkennen. []
Nach kurzer Badesession []
und duschen sind wir in die Stadt gefahren, um dort sehr gut zu abend zu essen. Am nächsten Tag, ich musste feststellen, dass man im Zelt doch besser schläft als im Auto, vielleicht lag das aber auch an der schlafraubenden Mückenattacke die Nacht zuvor. Nach gemütlichem Frühstück sind wir dann zum letzten Ausflugsziel gelaufen. Der Pont du Gard war ein reiner Zweckbau. Er war Teil einer Wasserleitung, die dazu diente, Wasser von einer Quelle bis in das über 50km entfernte Nimes zu leiten, um dort römische Bäder zu betreiben.
Eindrucksvoll für uns angehende Ingenieure war, dass die Römer die gesamte Wasserleitung so gebaut haben, dass auf einem km lediglich eine Höhendifferenz von 37cm vorlag. Die Wassermenge 20 000 m³ pro Tag hatte mich auch schwer fasziniert. Von den verschiedenen Aussichtspunkten aus das gigantische Bauwerk bewundert, haben wir danach noch die während der letzten Tage anhaltende „Hitze“ zum Anlass genommen, im Fluss baden zu gehen, [Ich in Walrosspose]
bevor wir dann gut erholt in 2,5 Stunden zurück nach Lyon gefahren sind.Fazit:
Die 5 Tagen waren super erholsam. Ein Urlaub ohne Stress, in dem jeder auf seine Kosten gekommen ist. Angeblich soll es Pärchen geben, mit denen man als einzelner nicht in den Urlaub fahren sollte, hier war es nicht so. Mir hat alles super gefallen.
Jetzt werde ich wohl noch ein bisschen Sondierungsarbeit betreiben müssen, wo ich morgen hin muss und wie die kommende Woche so aussehen wird. Ich bin gespannt und hoffe, dass die eigentliche Unizeit, die morgen beginnt nicht allzu stressig wird. Ich werde euch auf dem laufenden halten.
Arles
[] Vom Turm aus hatte man auch eine ganz nette Aussicht. Mit der 4-Monumenten Karte sind wir danach ins Théâtre Antique, welches gerade auch erneuert wird. Hier kamen zum ersten Mal Zweifel auf, was denn jetzt „orginal Römisch“ ist und was die Franzosen im Zuge von Renovierungsarbeiten erneuert haben, um das Theater wieder nutzen zu können. Die Sitzbänke waren jedenfalls „nagelneu“.
[Hier noch mal die Reisecrew: von links: Zäzilia, Birger, Ich, Alison, Felix] Ich habe mir daraufhin noch die Alyscamps angesehen, die antiken Gräber,
die man auch mit unserer Eintrittkarte begutachten durfte. Die anderen haben in der Zwischenzeit einen Kaffee getrunken und wir haben uns an der Touriinfo wieder getroffen.
[] War schon nett auch dieses Monument besichtigt zu haben, ich war aber froh, den Rest der Gruppe nicht dorthin geprügelt zu haben. Das hätte ich nämlich bereut. Auf dem Van.Gogh Weg durch die Stadt spaziert haben wir noch einige Plätze von berühmten Bildern des Künstlers begutachtet, um als letztes die Thermen zu besichtigen, die ihrerseits wieder sehr gut erhalten waren. Die Bauweise ließ zeitweise wieder Zweifel aufkommen, aber wir sind ja keine Archäologen. [Ein Bild um die Größenproportionen klar zu machen] 
Größere Kartenansicht
Für Freaks und weil ich die Funktion so cool finde mal wieder eine Karte. In der Mitte erkennt man das Amphitheater, direkt darunter der Halbmond das "Théâtre Antique", rechts unten die Baumallee sind die Alyscamps.
Zurück am Auto teilte sich die Gruppe. Felix und Alison mussten leider aus gesundheitlichen Gründen zurück nach Lyon, während Zäzilia, Birger und ich am nächsten Tag noch den berühmten Pont du Gard besichtigen wollten.
Camargue
Als nächstes Ziel stand Staintes Maires de la Mer auf dem Programm, eine Stadt nahe der Mündung der kleinen Rhone und zwischen der kleinen und der großen Camargue liegend. Nach einem kurzen Strandtrip,
den ich zum Baden genutzt habe, haben wir in der Stadt einen Kaffee getrunken und uns die Wallfahrtskirche angesehen.
Die dritte Station der „Tuckerfahrt“ war bei Méjane, wo ein Touristenweg von ca. 2,5km ausgezeichnet war, den wir daraufhin genommen haben. Neben ein paar Rindern und Pferden haben wir in den Kanälen, die nach Begradigung der Rhone zur Bewässerung der Reisfelder angelegt werden mussten, einige Bieber beobachten können. Sehr lustige putzige Tiere. (Mit den Elefanten und Antilopen aus Simons Blog können sie allerdings nicht mithalten.) []
Hier noch ein Landschaftsbild. Am Horizont kann man einige Flamingos erkennen.
War eine nette, lockere Rundfahrt, bei der jeder auf seine Kosten gekommen ist. Es wurde nicht gestresst, nicht gehetzt. Das ist Urlaub!Der nächste Campingplatz befand sich in Arles, einer Stadt mit römischem Hintergrund, wie sich beim Lesen der Reiseführer auf der Fahrt dorthin herausstellte. Dieser Stadt ist dann Avignon zum Opfer gefallen, eine Stadt, die man sich dann wohl auf einem separaten Trip mal ansehen muss.
Die Reiseführer haben schon vor den Mückenattacken gewarnt. Dummerweise war ich nicht ganz vorsichtig und habe den Kofferraum mit angeschaltetem Licht wohl mal für eine halbe Minute offen stehen lassen. Dazu muss man wissen, dass Felix und Alison, Birgen und Zäzilia jeweils im Zelt und ich immer im Auto geschlafen habe. Wenn man die Rücksitzbänke ausbaut eine sehr bequeme Sache. Allerdings stand mir diesmal eine schlaflose Nacht bevor, weil ich meinen Schlafraum mit ca. 5 Mücken teilen musste. Ca. jede halbe Minute hörte ich das berühmte Mückensumm-Geräusch. 4 Mücken sind nicht lebend aus dem Auto nach Hause zurückgekehrt, allerdings habe ich wohl durch mein Taschenlampengefunsel, um die Mücken im Auto zu killen weitere angelockt, die durch den Lüftungsspalt eingetreten sind. Keine sehr erholsame Nacht, die aber sonst keine schlimmeren Folgen für mich hatte.
Strandtag/ Aigues Mortes
Den ersten Teil des Tages haben wir bis ca. 15 Uhr am Strand verbracht. Auch wenn der Wind zeitweise nervte war es größtenteils doch super Strandwetter, was wir auch alle genossen haben. Hier ein Bild von mir und Birger beim Flingo spielen:
Bei diesem Spiel hat man ein „Lätzchen“ um, das man mit Hilfe der beiden Arme spannen kann, wenn der Ball sich nähert. Macht sehr viel Spaß, man muss zeitweise aber auch Laufarbeit leisten.
Die zweite Tageshälfte nutzen wir dann um die 20km entfernt liegende Stadt Aigues Mortes zu besichtigen. Am Rande der Camargue liegend war sie noch nicht so zum Touristenzentrum ausgebaut, noch mit einem netten kleinen Hafen.
Außerdem werden hier bis heute bedeutende Teile der Salzproduktion abgedeckt, was wir an riesigen Salzbergen erkennen konnten, die eher an Schnee erinnerten. Nenneswert für diese Stadt ist auch noch die sehr gut erhaltene Stadtmauer.
Theoretisch kann man sie auch noch besteigen und die Aussicht genießen, dummerweise hätte das aber Eintritt gekostet und wir waren ohnehin zu spät dran.Auf der Rückfahrt zu unserem Übernachtungsplatz haben wir noch einige Flamingos gesehen, was für die Gegend eher normal ist.
Montpellier



War ein netter Spaziergang durch die schöne Innenstadt, in der Nähe vom Rathaus haben sich ca. 20 Fans ein Public-Viewing Rugbee Spiel angesehen, das von ca. 50 Polizisten abgesichert wurde. Ich habe schon den einen Polizisten gefragt, ob hier ein „gefährliche“ Demo wäre, er meinte nur: „Nene, nur das Rugbeespiel.“ Das Abendessen schoss zwar ein Loch in die Urlaubskasse, das war es aber auch wert. Wir waren in einem sehr noblen Lokal und haben sehr gut gegessen. Sehr kontrastreich zur Insa-Restauration, die man hier sonst geboten bekommt.