Sonntag, 16. September 2007

Gorges de Bournes

Samstag morgen schnell alles zusammen geräumt Telefonate erledigt, unterwegs noch beim Supermarkt gewesen und Lebensmittel eingekauft, hieß das Ziel zunächst Pont-en- Royans. Nach bewährtem Schema wollte ich einen Tag eine Route aus dem Mountainbikeführer abfahren und den anderen Tag mir einen „berühmten Pass“ vornehmen. Auf einem Campingplatz „municipal“ in Cholonge habe ich das Auto abgestellt, das Zelt schnell aufgebaut und mich gegen 14:30 auf den Weg gemacht. Zunächst ging es die Schluchten der Bourne talaufwärts. Landschaftlich wieder ein absoluter Genuss, hier mal eine Kostprobe: []
Bei Rencurel bin ich dann in die von meinem MTB-Guide empfohlene Route eingebogen. Die Beschilderung war kläglich, ohne GPS hätte ich mich wohl mehrfach verfahren, aber es ist ja normal, dass man beim Mountainbiken eine Karte zur Orientierung braucht. Zeitweise habe ich mich sehr gewundert und den Entschluss, Radfahren zu gehen, in Ansätzen schon verflucht, weil ich mir sehr langsam vorkam. Das lag aber eher an der stetig bergauf führenden Route. Am Ende bin ich am Col de Romeyère herausgekommen, ganz niedliches kleines Skiareal mit zwei Schleppliften. Die richtige Abzweigung habe ich aber auch wieder nur dank GPS gefunden, hätte ich den Wegweisern vertraut, nicht dass einer da gewesen wäre für eine nicht ganz unerhebliche Abzweigung, wäre ich geradewegs wieder ins Tal auf der anderen, falschen Seite gefahren.
Der MTB Strecke weiter folgend ging es noch ein Stückchen bergauf, bis ich dann wieder in einen Waldpfad einbiegen durfte. Auf den nächsten Wegweiser wartend („Fromage“) bin ich bestimmt 5km einem Pfad, der andauernd Abzweigungen hatte gefolgt und tatsächlich: Ich bin wirklich bei Fromage herausgekommen, ich konnte es kaum fassen.
Die Route vom Führer wieder verlassend, wartete ein 350 HM Gegenanstieg auf mich, der weitgehend im Wald verlief. Plötzlich hörte ich es links von mir im Gebüsch rascheln, habe mir nichts dabei gedacht und bin mit meinem langsamen bergauf Tempo weitergefahren. Urplötzlich kam dann ein ausgewachsener Keiler aus dem Wald, ca. 10m vor mir. Bisher das erste Mal, dass mir so ein Tier beim Radfahren begegnet. Habe mir nie Gedanken darüber gemacht, als ich im Spessart ein Bambi getroffen habe, aber dass mir mal ne Wildsau vors Rad kommt hatte ich bisher noch nicht in Erwägung gezogen. Den Satz aus dem Fahrschulbogen „Einem Wildschwein können weitere Rudelmitglieder folgen“ quasi auf die Netzhaut eintätoviert, habe ich erst mal etwas abgewartet. Zwischenzeitlich hat der Keiler noch ein Laut von sich gegeben als wollte er sagen „Hau endlich ab du Depp“. Ich hatte zugegeben schon die Hosen voll, bin dann nach kurzer Pause zügig an der Wildwechselstelle vorbeigefahren. Ab dem Gipfel (Col de Pra l’Etang) wartete wohlverdient eine 1000 HM Abfahrt auf mich, die wiedereinmal bombastische Blicke ins die Schluchten der Bourne eröffnete.
Am Campingplatz, der einem Geistercampingplatz sehr ähnelte, angekommen gab es nach dem Duschen was zu Essen. Dummerweise hatte ich die „Kühlbox“ im Auto vergessen. Das Auto hatte sich auf ca. 35°C aufgeheizt. Außer einem zeltenden Franzosen auf der Nachbarparzelle, hatte der Campingplatz nicht viele Gäste. Letzteren hörte als ich mich hingelegt habe bis in mein Zelt hinein schnarchen.
Dummerweise hatte ich vergessen, meinen Müll zu verstauen. Die Tüte mit Bioabfall, einer Konservendose und einer Papierverpackung von Müsliriegeln lag noch vor meinem Zelt und wurde während der Nacht wohl von einem Tier, ich vermute einer Katze, durchsucht. Scheinbar hatte sie Hunger, denn die Bioabfälle habe ich nicht wieder gefunden, sie hat nur die Konservendose und die Verpackung hinterlassen. Im Halbschlaf ca. 15 Minuten lang ein Rascheln vernommen, als ob jemand erfolglos versucht, die Dose aus der Plastiktüte zu holen, habe ich sie dann wohl verscheucht. Die Wildsau von heute Mittag wird es nicht gewesen sein.
Einzig zu erwähnen wäre noch, dass ich mich beim Abspülen in ein Spinnennetz verfangen hatte, scheinbar war wirklich länger keiner mehr auf diesem Campingplatz.

Daten der Tour: 48 km, 1409 HM

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